Angeblich soll es wohl der größte in Europa sein. Was sicher ist, ist zumindest, dass er sich über eine weit größere Fläche erstreckt als der Striezelmarkt. Würde man alle Weihnachtsmärkte in Dresden allerdings zusammenzählen, könnte das aber vielleicht doch mehr sein.
Es war jedenfalls als ein großer Weihnachtsmarkt ausgeschrieben, der sich über große Teile der Stadt erstreckt hat (Lincoln ist nicht soo groß - knapp 90.000 Einwohner). Ich bekomme hier so langsam den Eindruck, dass Weihnachtsmärkte eine wirklich typisch deutsche Sache sind. Englisch sind sie jedenfalls nicht. Während der Striezelmarkt dieses Jahr zum 5xx. Mal stattfindet und man vorzugsweise regionale Waren kaufen kann (wie z.B. Pulsnitzer Pfefferkuchen... mjam), gibt es hier wenig typisch Britisches, sondern vielmehr ausländische Stände. Wir haben sogar einen afrikanischen Stand gesehen. Und es gab deutsche Lebkuchen (leider nicht aus Pulsnitz, aber die aus Nürnberg sind ja bekanntermaßen auch ziemlich gut) und deutsche Bratwürste (auch hier keine Thüringer Rostbratwurst). Und die Leute, die an den deutschen Ständen bedient haben, waren auch überwiegend deutsch. Das hat mich davor bewahrt, den englischen Plural von "bratwurst" bilden zu müssen. Hätte das dann "two bratwursts" geheißen?
Jedenfalls sind sich Lincoln und York ziemlich ähnlich, wobei ich York lieber mag. Lincoln hat die besseren Einkaufsmöglichkeiten und eine Burg, in York ist das Minster schöner und die Straßen sind kleiner und beschaulicher. Und einkaufen kann ich schon in Sheffield gut, dazu muss ich nicht woanders hinfahren. Es war aber ein schöner Ausflug. Schon allein wegen den Lebkuchen :)
Erwähnenswert wäre noch, dass die Stadt für Fußgänger in ein Einbahnstraßensystem verwandelt wurde. Wolltest du in die falsche Richtung laufen, wurdest du von "Hilfspersonal" gestoppt und woanders lang geschickt. Es war wirklich voll. U.a. wahrscheinlich, weil der Weihnachtsmarkt nur 4 Tage ging und die Stadt am Wochenende in der Vorweihnachtszeit einfach überfüllt war von kaufwütigen Menschen (ist man ein Tourist, wenn man in die Nachbarstadt zum Weihnachtsshopping fährt?)
Hier ein paar Fotos von Lincoln und dem Minster (die Ähnlichkeiten mit dem York-Minster sind verblüffend):
Letzte Woche in der Uni gab es für mich sozusagen schon so etwas wie verfrühte Weihnachten. Natürlich hatte ich mich nie bis ins letzte Detail damit befasst, wieviele Vorlesungen wir hier haben werden. Ich kannte die Zeiten, in denen ich anwesend sein muss (bis zum 19.12. und dann noch 3 Wochen im Januar/Februar) und war mir lange Zeit nicht mal sicher, ob wir nach Weihnachten noch Vorlesungen haben oder nicht. Ziemlich am Anfang wurde mir aber gesagt, dass die Vorlesungen nur bis Weihnachten gehen. Für mich hieß das bis zum 19.12. Diese Woche fand ich dann aber heraus (weil es der eine Professor erwähnt hat), dass ich die letzte Woche hier gar keine Vorlesungen mehr habe. Da ich nur Module aus dem dritten und vierten Jahr besuche und es in diesen Modulen nur 20 Vorlesungen pro Semester gibt, ist mein Semester also in 5 Tagen schon vorbei. Niveau ist hier also vielleicht doch eine Hautcremè.
Ich hab das mal interessehalber durchgerechnet. Wir haben in Deutschland 15 Vorlesungswochen pro Semester. Mit den ganzen Feiertagen, die wir haben, kommen wir trotzdem wahrscheinlich noch auf 14 Wochen. Wenn ich jetzt nur die Mathe-Vorlesungen betrachte, die ich nächstes Semester haben werde (12SWS) und nicht mein Nebenfach, mein Studium generale oder meine Sprachausbildung und auch keine Mathe-Seminare und kein Grundpraktikum, komme ich auf ca 7500min Mathe im Semester (das sind übrigens 5 volle Tage). Hier dagegen, wo man kein Nebenfach, keine Sprachausbildung und auch kein Studium generale hat (und es nur Seminare gibt, wenn dafür Vorlesungen wegfallen), hat man 6000min Mathe im Semester. Das ist wirklich ein Witz. Und dann kommt noch dazu, dass das Niveau in den Vorlesungen sowieso nicht allzu hoch ist. Gut, ich bin mir nicht sicher, ob ich Kommutative Algebra so ohne weiteres bestehe, aber das ist auch das einzige Fach, in dem ich Zweifel hab. Und dann sind es halt doch 6 verschiedene Fächer und ich hatte noch in keinem Semester 6 Klausuren zu schreiben. Auf der anderen Seite gibt es aber halt auch Fächer, wo ich keinen einzigen Beweis lernen muss (im 3. Studienjahr, das muss man sich mal vorstellen), oder wo ich eine Liste (eine kurze Liste) mit Beweisen bekomme, die ich lernen muss. Wirklich lachhaft (bis auf Kommutative Algebra, das schon sehr deutschen Vorlesungen ähnelt, wenn man mal vom Prof absieht, der uns alle 5min fragt, ob wir das denn auch verstanden haben...) Nun ja, ich bin gespannt, wie das dann im Januar läuft.
Heute hatten wir schließlich unsere Haus-Weihnachtsfeier. Es haben alle etwas zum leiblichen Wohl beigetragen. Das ging von gekauftem Glühwein über Würstchen, Kartoffelsalat, schwedischen eingelegten Fisch, schwedischen Hackbällchen,
Guacamole, Pflaumen im Speckmantel, gefüllten Zwiebeln etc etc bis hin zu Dresdner Eierschecke :) Leider ist die mir eingefallen (wie nicht anders zu erwarten war...), geschmeckt hat's trotzdem. Und wie jedes Weihnachten war es auch hier so, dass wir Stunden mit der Vorbereitung verbracht haben und dann alles viel zu schnell vorbei war. Und wir waren alle so randdicht voll, es war furchtbar. Wenn ich daran denke, dass es noch mal so ein Weihnachtsessen dieses Jahr gibt, wird mir gleich ganz schlecht. Zum Glück ist die Auswahl da nicht ganz so groß, da muss man nicht ganz so viel probieren. (Und ich weiß, wie der Kartoffelsalat meiner Mutter schmeckt, aber Guacamole hatte ich noch nie gegessen, also muss man das ja probieren.) Es war ein wirklich fantastischer Abend und es war wahnsinnig international. Ich bezweifle, dass ich je wieder in meinem Leben eine solche Nationenvielfalt zu Weihnachten haben werde. Das eigentlich geplante Gruppenfoto hab ich aber natürlich vergessen. Mein Gedächtnis wird auch immer schlechter.
Gewichtelt wurde natürlich auch. Hier ein paar total glückliche Gesichter ;)
Danach wollten wir eigentlich noch "Love Actually" (Tatsächlich... Liebe) gucken, aber die Datei ließ sich nicht öffnen. Also haben wir noch ein bisschen Pseudo-Tabu (ohne Spielbrett) gespielt und haben dann noch 2 Folgen "How I met your mother" gesehen.
Die Vorbereitung war eigentlich das schönste. Das gemeinsame in-der-Küche sein, Weihnachtsmusik hören und Heimweh haben ;) Es ist wirklich erstaunlich, wieviel Wert manche Dinge haben können, wenn man sie auf einmal nicht mehr hat. Gleichzeitig ist mir ja durchaus bewusst, dass das ja nur eine beschränkte Zeit ist und ich Weihnachten ja zu Hause verbringe, aber ich denke, ich habe selten ein Weihnachten so geschätzt wie dieses Jahr. Und gleichzeitig ist es so schön gewesen mit den ganzen Mädels zusammen Weihnachten zu feiern (und für einige war es wirklich Weihnachten, da sie nicht nach Hause fahren). Je älter ich werde, desto sentimentaler werde ich... Wirklich furchtbar.
Noch eine Bemerkung zum englischen Christmas Pudding, an dem ich mich probiert habe... Ekliges Zeug. Hier der Pudding in seinem Wasserbad:
Und es ist auch nicht nur so, dass ich den verhunzt habe, die gesamte Kombination der Zutaten ist einfach eklig. Man mixt viele verschiedene getrocknete Früchte, erwärmt sie und mischt sie dann mit einem Teig um das ganze dann im Wasserbad 3h zu kochen. Natürlich hat das nicht so funktioniert wie es sollte und nach 3h war das immer noch flüssig. Also hab ich es in den Ofen getan, wo es dann nach einer halben Stunde auch endlich fest war. Es hatte auch scheinbar die richtige Konsistenz und war schon so, wie es ungefähr hätte sein sollen, aber es ist einfach nicht so wirklich mein Geschmack (und auch nicht der, von irgendjemand anderem hier im Haus). Theoretisch wollte ich meiner Familie so ein Teil am 25.12. zum Nachtisch antun. Das wird aber gestrichen und durch Eierschecke oder Apfelkuchen ersetzt. Das schmeckt wenigstens.
Und wie immer; das Wetter. Es war die letzten drei Tage sonnig und kalt. Meines Erachtens nach eine erträgliche Kombination, auch wenn ich mir auf dem Weihnachtsmarkt die Füße abgefroren habe...
2 Kommentare:
Hallo Suse,
etwas zufällig habe ich jetzt (schon...) von Deinem Blog erfahren! Ich glaube, Du hast mir das irgendwann mal erzählt, aber irgendwie ist mein Gedächtnis wohl noch schlechter als ich dachte (Vielleicht behält Toyota doch recht: Nichts ist unmöglich!).
Wie auch immer, ich nutze jetzt einfach mal die Gelegenheit um Dir eine schöne (Rest-)Weihnachtszeit zu wünschen.
Im Übrigen habe ich auch schon vergessen, wann Du zurück kommst - das würde mich aber in der Tat noch interessieren. Vielleicht kannst Du mir das in Deiner so knappen Freizeit mal mailen: eik@fritzsche-net.de
Also dann, bleib anständig und genieße die Zeit.
Grüße,
Eik
Abgesehen davon, dass wir keinen weihnachtsmarkt haben, nicht wichteln und auch in der stadt keinen weihnachtsbaum mehr (der wurde angezündet), gucken wir aber How i met your mother! ;)
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